Ladystyling und das Schamgefühl

By Stefanie Krasula

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Für viele Mädels ist Ladystyle zunächst ein furchteinflössendes Wort. Arme, Hände, Hüften, Bodymovements usw. während dem Tanzen mit einem Partner einbauen und dabei noch gut aussehen?! Das alles ist gar nicht so schwer, wenn man weiß wie und erst einmal die Angst abgelegt hat.

Und ich denke, da sind wir auch schon beim Hauptproblem vieler Frauen - der Angst. Angst davor, "dumm auszusehen", sich zu blamieren, etwas Falsch zu machen. Doch wieso machen wir uns eigentlich immer so einen Kopf, was andere über uns denken, statt einfach nur Spaß auf der Tanzfläche zu haben? In Teil 1 meines Beitrages zum Thema Ladystyle, möchte ich mich genau mit diesem Thema befassen.

Was wir peinlich finden, ist eine Bewertung, die wir uns selbst geben. Generell ist es doch so: Wenn andere über uns lachen oder sich lustig machen, muss es noch lange nicht peinlich sein, denn wir sind diejenigen, die entscheiden und uns selbst verurteilen, ob etwas peinlich für uns ist oder nicht. Hierzu eine kleine Geschichte zu meinem Schamgefühl... 

Wie manche von euch wissen, habe ich vor meiner Salsa- und Bachata-Zeit, Garde- und Showtanz getanzt. Passend zur Pubertät, ich glaube ich war etwa 15 Jahre alt, haben wir im Verein das Musical "Moulin Rouge" aufgeführt. Schööööööön mit halterlosen Strümpfen, Strapse und Corsage. Für euer Kopfkino: CanCan-Röcke, viel Haut, "Gitchi, gitchi, ya ya dada" ​​​​​, und vieles mehr. Also was hab ich mit 15 Jahren machen dürfen? Richtig - ich bin mit meiner Mama in Sexshops und Dessousläden gegangen und hab nach Corsagen geschaut. :-D (Vielleicht ist es in der heutigen Zeit etwas anders - sind immerhin auch schon wieder mehr als 15 Jahre vergangen seither - aber in meiner Zeit war das noch ultra peinlich!)

In der Show waren alle Altersklassen vertreten, von Teenis bis gestandene Frauen und Männer, die sich in ihrem Körper sehr wohl fühlten, bis Mädels und Frauen die mit dem Thema nicht wirklich etwas anfangen konnten. Ich gehörte zur zweiten Gruppe - was man sich vielleicht heute nicht mehr vorstellen kann. :-)

Und dann steht man da, mit seinen 15 Jahren, in einem kleinen Kaff auf der Bühne, einer ausverkauften Veranstaltung, mit Besuchern aus dem Ort und sogar Lehrern und Klassenkameraden aus der Schule ... So viel zum Thema Schamgefühl - doch ich musste durch... Show ist Show - ob es einem zunächst peinlich ist oder eben nicht. Das Gefühl von anderen dafür verurteilt zu werden - abgestempelt zu werden - war ein Gefühl, dass wir uns gegenseitig als Teenies eingeredet haben. Nach der Show gab es von allen Seiten Komplimente, wie toll es war. Niemand hat uns als "billig" bezeichnet oder verurteilt. 

Es ist vielleicht nur eine kleine Anekdote zum Thema, doch es war einer meiner Entwicklungsstufen, die schon früh stattfand und mein Selbstwert gesteigert haben. Bestätigung ist ein Thema, was uns Frauen ganz wichtig ist und unser Selbstwertgefühl erhöht - unsere eigenen Hirngespinste leise werden lässt.

Wenn wir verunsichert sind, machen wir uns klein, krummer Rücken, Blick nach unten - Hauptsache weg von den Leuten im Raum und bloß nicht gesehen werden. Doch genau das bewirkt auch, dass wir in unserem Ladystyling keine gute Figur machen. Und genau so wie es mir mit 15 Jahren im freizügigeren Outfit auf der Bühne erging, fühlte ich mich zu meinen Anfangszeiten bei Salsa und Bachata auch wieder. Auf Partys gab es Frauen, die sich in ihren Körpern wohlfühlten, sämtliches Armstyling und Bodymoves auspackten und einfach nur hammermäßig aussahen. Und dann kam klein Stef :-D Der Bauer - der zwar gelernt hatte sich führen zu lassen, aber mit dem ganzen "Schi Schi" nichts anfangen konnte. 

Was ist also passiert? Ich hab erst einmal das gesamte Thema Ladystyling verflucht, verurteilt und für doof empfunden. Ich konnte zwar meine Choreos auf der Bühne tanzen - aber selbst kreativ sein? Arme einbauen? Wie soll das gehen und wozu braucht man das überhaupt? Somit habe ich mich zunächst darauf konzentriert, beim Tanzen auch ohne Styling Spaß zu haben, Partys zu genießen und mich einfach mal fallen zu lassen. Nicht Denken zu müssen, war für mich zu dieser Zeit eine harte Aufgabe, aber genau das, was ich gebraucht hatte. Und das war auch vollkommen richtig und wichtig für mich. Natürlich kam ich nicht davon weg, die Mädels, die das total drauf hatten, gleichzeitig insgeheim doch zu bewundern.

Fazit:
Was ich aus der Anfangszeit gelernt habe war, dass ich mich erst einmal wohlfühlen musste. Wohlfühlen beim Folgen und mit den Tänzern auf der Tanzfläche. Ich habe mir Sicherheit "angetanzt". Habe die Scham verloren mit fremden Männern zu tanzen und einfach nicht drüber nachzudenken, was andere über mich denken könnten. Wenn du also auch an dem Punkt bist, dass alles noch doof ist und nur Schi Schi, frage dich selbst vielleicht auch einmal: "Warum ist es für mich nur Schi Schi? Was finde ich eigentlich am Ladystyling so doof?". Denn vielleicht geht es dir wie mir und du verurteilst etwas, weil du selbst noch Angst davor hast, etwas Neues auszuprobieren und deine Komfortzone zu verlassen.

Ab wann das Thema Ladystyling für mich plötzlich doch wichtig war und wann ich es unbedingt lernen wollte, könnt ihr in meinem nächsten Beitrag nachlesen. 

Gerne könnt ihr uns einen Kommentar und Feedback zum Beitrag unter den Facebook oder Instagram Post schreiben und über eure ersten Berührungspunkte und Gedanken zum Thema Ladystyling berichten. 

Bis dahin
Habt Spaß beim Tanzen

Eure 
Stef

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